Pressemitteilung:
SPD-Politiker besuchten JVA in Attendorn
Über Zukunft der Zweiganstalt Siegen wird bald entschieden

Attendorn ist eine Anstalt des offenen Vollzugs für erwachsene männliche Strafgefangene. "Hier stehen insgesamt 387 Plätze zur Verfügung. Je 15 Gefangene bilden eine baulich abgetrennte Betreuungs-Wohngruppe", erläuterte Michael Wulf und fügte hinzu: "Primäres Anliegen des offenen Vollzuges ist die Resozialisierung der Straftäter. Zentraler Baustein ist dabei ihre Integration in den Arbeitsprozess." Ein Problem sei das Wegbrechen regulärer Beschäftigungsmöglichkeiten; 34 Prozent der Häftlinge hätten derzeit keine Arbeit, so Wulf. Der Mangel an geeigneten Arbeitsplätzen könne nur zum Teil durch Arbeitstherapie in der JVA-eigenen Schreinerei aufgefangen werden. Die SPD-Politiker und der Anstaltsleiter appellierten an die Unternehmen der Region, wenn möglich auch Strafgefangene zu beschäftigen. Reinhard Jung (MdL) betonte jedoch, "dass normale Arbeitskräfte durch ihren Einsatz nicht verdrängt werden dürfen".
Wulf und seine Mitarbeiter wiesen darauf hin, dass in der Haftanstalt ein striktes Verbot von Alkohol und Drogen gilt. "Wer dagegen verstößt wird umgehend in eine Anstalt des geschlossenen Vollzugs verlegt", stellte Wulf klar und wies darauf hin, dass sich die Gefangenen regelmäßig Drogen-Screenings unterziehen müssen. Bei nicht wenigen Häftlingen finde auch eine methadon-gestützte Therapie zur Drogensubstitution statt. Bei der Suchtberatung kooperiere die JVA mit der Caritas in Olpe, ebenfalls bewährt habe sich eine enge Zusammenarbeit mit der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) des ev. Kirchenkreises Siegen bei der Therapie von Sexualstraftätern.
Auf Nachfrage Reinhard Jungs (MdL) wiesen Wulf und der Personalratsvorsitzende Markus Bruck darauf hin, dass die Personaldecke in der Haupt- wie auch in der Siegener Zweiganstalt knapp bemessen ist: "Trotz der kurzfristig möglichen Einstellung von vier neuen Kräften für die Laufbahn des allgemeinen Vollzugsdienstes werden wir weiterhin unter den Soll-Zahlen liegen", so der Anstaltsleiter.
Zur Sprache kamen auch die schlechte Unterbringungssituation für die Häftlinge und die schwierigen Arbeitsbedingungen für das Personal in der Zweiganstalt Siegen. Der zuständige Bereichsleiter Joachim Mocha bezeichnete die Lage als "desolat. Hier muss aus unserer Sicht unbedingt etwas geschehen". Während ein Neubau an einem Alternativstandort in Siegen wegen der geringen Größe (93 Haftplätze) nicht mehr in Betracht kommt, steht das Land nunmehr vor der Entscheidung, ob die vorhandene Zweiganstalt im Unteren Schloss grundlegend modernisiert oder aber der geschlossene Vollzug von Siegen nach Attendorn verlegt, die dortige Haftanstalt also entsprechend erweitert wird.
Helga Schwarz-Schumann, Siegener SPD-Landtagsabgeordnete, machte deutlich, dass sie sich eine Verlegung nach Attendorn wünscht: "Damit bekämen wir endlich die Chance, die gesamte historische Bausubstanz des Unteren Schlosses optimaler zu nutzen. Es wäre dann zum Beispiel möglich, dort, wie bereits angedacht, Fachbereiche der Universität unterzubringen." Attendorns Bürgermeister Alfons Stumpf wies darauf hin, dass es in seiner Stadt Bedenken gegen eine Erweiterung der vorhandenen JVA gibt. "Ich persönlich bin aber der Meinung, dass es gleichwohl möglich sein müsste, diesen Schritt zu gehen", fügte das Stadtoberhaupt hinzu und meinte, dass die Sicherheitsprobleme "durchaus lösbar" seien. Ein Vorteil wäre aus seiner Sicht nicht zuletzt, dass die fast 50 - bisher in Siegen vorhandenen - Arbeitsplätze zusätzlich nach Attendorn verlegt würden. Bürgermeister Alfons Stumpf und Anstaltsleiter Michael Wulf äußerten zudem übereinstimmend die Auffassung, dass der JVA-Standort Attendorn durch eine Erweiterung um den geschlossenen Vollzug "nachhaltig und dauerhaft gesichert würde".
