Pressemitteilung:
Worüber andere den Kopf schütteln
SPD zeichnete ehrenamtlichen Einsatz aus
„Bin nur einer von vielen"
Organisiert hatte den diesjährigen Jahresempfang der SPD-Ortsverein Olpe. Dessen Vorsitzender, Peter Kühn, begrüßte die Gäste. Durch die FußballWeltmeisterschaft sei der Jahresempfang terminlich ziemlich weit nach hinten gerutscht, erklärte Kühn. „Wie es sich für die SPD gehört", gebe es unter anderem auch Rotwein zu trinken, scherzte er, bevor Uwe Beul als Unterbezirks-Vorsitzender das Wort ergriff. Eine Veranstaltung zum Thema Ehrenamt sei nicht mehr ungefährlich, so Beul, wisse man doch nicht, ob sie nicht besteuert würde.„Ehrenamtliches Engagement ist geprägt von persönlichem Einsatz, ohne danach zu fragen, was ich dafür bekomme. Die Menschen, die wir heute auszeichnen werden, stehen für dieses persönliche Engagement, zu dem in unserer heutigen Zeit leider immer weniger Menschen bereit sind", so Beul. Dabei bereite ehrenamtlicher Einsatz ungeheure Freude. „Heute und hier werden Sie Menschen kennen lernen, die sich Zeit nehmen für andere Menschen oder sich für eine Sache engagieren, bei der andere den Kopf schütteln und sich resigniert in den nächsten Termin stürzen."
Erster Preisträger war Klaus Harnischmacher aus Olpe. Landtagsabgeordneter Reinhard Jung aus Schönau hielt die Laudatio. Er würdigte den Einsatz Harnischmachers, der seit 14 Jahren für die Aktion „Kinder in Not" eintritt. Zunächst sammelte er die Aluminiumhüllen von Tee- und Opferlichten, verkaufte sie an Altstoffhändler und spendete den Erlös für die Aktion, die sich für die Verbesserung der Lebensumstände von Straßenkindern in aller Welt einsetzt. Als er einen Weg fand, die Paraffinreste zu gewinnen, begann Klaus Harnischmacher damit, selbst Kerzen herzustellen, die heute als kleine Kunstwerke verkauft werden. Auch dieser Erlös fließt dem Hilfswerk zu. Aus persönlichem Schicksal heraus schrieb Klaus Harnischmacher schließlich ein Trauerbuch; was mit dem Erlös geschieht, braucht wohl keine Erläuterung. Ein weiteres Hobby, die Fotografie, setzt Klaus Harnischmacher ein, um in Altersheimen Dia-Vorträge zu halten. Auch Harnischmachers Ehefrau Elisabeth lobte Reinhard Jung: Wie stets im Ehrenamt, funktioniere es nur, wenn die Familie es unterstütze. Der Geehrte nahm dankend an: „Den Preis nehme ich in dem Bewusstsein an, dass ich nur einer von vielen bin." Das Preisgeld stiftet Klaus Harnischmacher an ein Straßenkinder-Projekt der Salesianer in Kenia.
Peter Kühn hielt die Laudatio auf den zweiten Preisträger - Johannes Haarmann. Der Leiter der Bekenntnisgrundschule Hakemicke habe sich vor Jahren gewundert, warum besonders die türkischen Eltern sich nur sehr wenig in das Schulleben einbrachten. Er befasste sich intensiv mit dem türkischen Schulwesen und fand heraus, dass die Rektoren dort ungeheure Achtung genießen und in Folge dessen übergroßen Respekt vor ihm hatten. Mit diesem Wissen sei es Haarman gelungen, die Schranken abzubauen und die Eltern ins Schulleben einzubeziehen. Das türkische Frauencafe in der Schule habe sich bis heute zu einem wichtigen Element der Integration entwickelt, sprechen die Frauen doch dort Deutsch und erhalten so Gelegenheit, mit den Lehrern ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Aus diesen Erfahrungen heraus habe Haarmann sich bei der lokalen „Agenda 21" engagiert und den „Runden Tisch Integration" mit ins Leben gerufen. Ein Beispiel für Haarmanns Weg sei, dass in diesem Jahr bei der Einschulungsfeier erst¬mals neben dem katholischen und dem evangelischen Geistlichen auch der Imam der Lütringhauser Moschee ein Gebet gesprochen habe.
Johannes Haarmann erklärte, er nehme den Preis an, „damit öffentlich wird, was getan werden muss". Über Integration dürfe nicht nur geredet werden. Bisher werde auch in Olpe überwiegend ein friedliches Nebeneinander praktiziert. Dies müsse aber einem Miteinander weichen. „Hier leben viele Ausländer. Sie werden nicht wieder gehen, wie es früher mal gedacht war. Jetzt müssen wir ihnen klar machen, dass wir zusammen gehören. Das ist nicht nur ein Sprachproblem. Man muss sich kennen lernen." Er forderte besonders die älteren Olper auf, in der nächsten Woche das Angebot zu nutzen und die Moschee im Rahmen der „Olper Seniorenwoche" zu besuchen. „Sie werden danach einen anderen Blick auf die Dinge haben", versprach Haarmann.
Die Laudatiodes letzten Preisträgers übernahm wieder Uwe Beul. Er würdigte den Einsatz von Willi Weber, der den heruntergekommenen und abrissreifen Hof Halbe in Möllmicke zu einem Prunkstück hergerichtet hat. Das Ehepaar Weber habe viel Arbeit und Engagement bewiesen, um - oft belächelt - gegen viele Widerstände ihren Plan umzusetzen. Wer dieses Haus vor einem Jahrzehnt gesehen hat oder die Bilder betrachtet, kann nicht glauben, dass heute dort Menschen ein- und ausgehen, dass Schulklassen zu Besuch kommen, lernen und erfahren wollen, wie man in früheren Jahren gelebt hat." Willi Weber habe „fast ein Jahrzehnt gewerkelt, malocht, gemauert, gezimmert, damit dieses Haus in diesen Zustand versetzt wurde und weiter wird."
Fördermittel seien abgelehnt worden, der Wendener Gemeinderat habe die Eintragung in die Denkmalliste verweigert, doch allen Widrigkeiten zum Trotz habe Weber ein Schmuckstück geschaffen, das „ein Schmuckstück für die Gemeinde Wenden geworden ist, Menschen aus nah und fern anzieht oder als Museum genutzt wird, dessen Museumsdirektor und gleichzeitig Museumsführer Sie sind." Überdies habe Weber sich nicht in das fertige Haus zurückgezogen, sondern öffne es für die Allgemeinheit und lasse Alt und Jung an der Geschichte und den Erzählungen des „Hofs Halbe" teilhaben.
Dankbar nahm Willi Weber eine Urkunde und eine Plakette entgegen, die er am Haus befestigen wird. „Da ist auch Genugtuung bei", gestand er. „Wir sind es denen, die nach uns kommen, schuldig, auch die Bau- und Wohnkultur zu erhalten. Der letzte Kick für mich war, dass ich keine Fördermittel bekam und dann beschloss, es allein perfekt zu machen. Wenn ich jetzt bei Führungen leuchtende Kinderaugen sehe, ist das Dank genug." Anschließend blieben die Gäste bei Speisen und Getränken zusammen, um sich ungezwungen auszutauschen.