Pressemitteilung:
SPD-Unterbezirksparteitag in Finnentrop-Weringhausen am 28. Oktober
Länger gemeinsam die Schulbank drücken
Ehemalige Bildungsministerin Ute Schäfer beim SPD-Parteitag

WERINGHAUSEN. Von Roland VosselWERINGHAUSEN.„Die frühe Aufteilung der Kinder nach der Grundschule sorgt für Chancenungleichheit. Wir brauchen eine längere gemeinsame Lernzeit", forderte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ute Schäfer, beim Unterbezirksparteitag in Weringhausen.Bei den Genossen ging es am Samstag nicht um Wahlen, sondern um Inhalte. „Beste Bildung für Alle" lautete das Motto. Mit der Bildungsministerin im Steinbrück-Kabinett von 2002 bis 2005 hatte die Kreis-SPD eine kompetente Referentin bei ihrem bildungs-politischen Parteitag. Statt der Differenzierung nach der Grundschulzeit forderte Ute Schäfer, die auch Vorsitzende der Projektgruppe Bildung der Landes-SPD ist, eine allgemeine Sekundärschule: „Nach der 4. Klasse gehen die Kinder zwei Jahre weiter gemeinsam in eine andere Schule. Danach entscheidet die Kommune, ob es mit dem Drei-Schulen-System oder einer integrierten Schule bis zur 10. Klasse weitergeht.“ Ute Schäfer kritisierte, dass Bildung für die neue schwarzgelbe Koalition erst mit dem Eintritt ins Grundschulalter anfange. Die Sozialdemokraten hätten zuvor Kindertageseinrichtungen und Ganztagsschulen vorbildlich vorangebracht. Die 52-Jährige unterstrich die Wichtigkeit der Elementarpädagogik: „Das erste Lernfenster ist bei Kindern schon mit vier Jahren abgeschlossen." Schäfer forderte mehr Geld für die Bildung. Die schwarzgelbe Koalition gebe zwar 17 Mio. Euro mehr für Sprachförderung aus, kürze aber die Mittel für Bildung insgesamt um 156 Mio. Euro: „Das ist so, als wenn du dem Bauern ein Schwein wegnimmst und ihm ein Kotelett wiedergibst." Die NRW-Regierung ziehe außerdem mit einer „Lehrerlüge" übers Land: „Sie sprechen von 4 000 neuen Lehrern bis 2010, bauen aber im Gegenzug 500 kw-Stellen jährlich ab."Ziel der SPD sei, dass in 10 bis 15 Jahren die Hälfte aller weiterführenden Schulen ein Ganztagesangebot machen. Die zentrale Rolle bei der Erziehung müsse aber bei den Familien bleiben. Sprachbarrieren müssten abgebaut werden: „Wer hier leben möchte, von dem erwarte ich, dass er sich mit der Landessprache auseinandersetzt." Wichtig sei auch eine Sprachförderung für deutsche Kinder, so Ute Schäfer: „Laut einer Studie wird in den Familien zu wenig gesprochen."Bildung müsse gebührenfrei bleiben, verlangte die 52-Jährige. Die eingeführten Studiengebühren hätten fatale Folgen: An der Uni Siegen gebe es 15 Prozent weniger Erstsemester.Zum Parteitag hatte die Kreis-SPD auch Experten von Kindergärten und Schulen eingeladen. Man brauche massiv Personal, so Rektor Andreas Krämer im Namen der Hauptschulen. Referendare würden lachend abwinken, wenn man sie für die Hauptschule anwerben wolle. Deshalb versuche man vermehrt, Seiteneinsteiger zu finden, was jedoch in der späteren Praxis häufig schief gehe.Der Rektor forderte deshalb ein Assessment-Center, das die Eignung der Seiteneinsteiger zuvor überprüft. Dem öffentlichen Bild von Chaos und Terror an Hauptschulen müsse er deutlich widersprechen: "Wir reden immer nurüber 10 bis 15 Prozent. Wir haben sehr gute Schüler, die Werte von zu Hause mitbringen. Wenn dann ein großer Betrieb im Kreis Olpe sagt, Zeugnisse von Hauptschülern gucke man sich erst gar nicht an, tut mir das in der Seele weh.
(rovo)
"„Kühe auf der Weide sind wichtiger als Kinder"
Uwe Beul attackiert politischen Gegner / Landtagsabgeordneter Reinhard Jung kritisiert Kürzungen bei Weiterbildungseinrichtungen. „In der CDU ist keine Führung erkennbar. Es gibt einen Rattenschwanz von störrischen Ministerpräsidenten, die mehr zu sagen haben als Angela", kritisierte Vorsitzender Uwe Beul beim SPD-Unterbezirksparteitag. Hartmut Schauerte passe da ins Bild: „Was hat der überhaupt im vergangenen Jahr für den Kreis Olpe getan, außer seine fürstliche Aufwandsentschädigung für den parlamentarischen Staatssekretär zu beziehen?" Doch, so Beul süffisant, Schauerte habe ja bei den selbstständigen Steuerberatern für Ausbildungsplätze geworben.Von der „Sorte" habe man im Kreis noch einen: Theo Kruse. „Er verkündet Kürzungen für Kinder und Jugendliche von 80 Millionen, um die Mittel für die Landwirtschaft um 95 Millionen zu erhöhen. Herrn Kruse und der Landesregierung sind die Kühe auf der Weide wichtiger, als die Betreuungssituation unserer Kinder in den Kindergärten." Das Trio komplett mache Landrat Frank Beckehoff: „Er eröffnet ständig Kunstrasenplätze, macht mit beim Lichttest und hat den ÖPNV im Kreis Olpe platt gemacht. Konsequenz: Wir zahlen immer mehr für weniger Omnibusstrecken, dafür brauchen die Frauen der Fußballspieler nicht mehr die rote Asche aus der Wäsche zu waschen."Beim SPD-Grundsatzprogramm gehe es um die Gestaltung des Sozialstaates, so Bundestagsabgeordneter Willi Brase: „Die Menschen wollen ein Stück soziale Sicherheit." Positiv sei der langsame Abbau der Arbeitslosigkeit. Man dürfe sich aber nicht mit über 500 000 jungen Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeit zufrieden geben. In den vergangenen Jahren seien die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessert worden. Brutal sei, dass aber die Formel „Gewinne-Investitionen-Beschäftigung" nicht mehr funktioniere: „Die schmeißen Leute raus. Darauf müssen wir Sozialdemokraten Antworten finden."Landtagsabgeordneter Reinhard Jung kritisierte, dass die Rüttgers-Regierung trotz Steuermehreinnahmen von über 2,1 Mrd. Euro Kürzungen im Bereich der Kindertagesstätten und Jugendarbeit nicht zurücknehme: „Das ist unsozial und verursacht später Folgekosten, die wesentlich höher sind." Kürzungen von 18 Mio. Euro bei Weiterbildungseinrichtungen (VHS) kämen einer Zerschlagung gleich. „Besonders betroffen ist der ländliche Raum. Mit den Kürzungen wird der Landesanteil von 50 auf 15 Prozent gekürzt." Gefährdet seien auch VHS-Angebote im schulischen Bereich, wie Nachholen des Hauptschulabschlusses oder Integrationskurse für Migranten.
