Pressemitteilung:

Olpe & Umgebung
  • Kreise Siegen-Wittgenstein / Olpe, 17. Dezember 2006

SPD-Landtagsabgeordnete besuchten Studienseminar

Fachleitertätigkeit muss attraktiver werden
Die SPD-Landtagsabgeordneten Helga Schwarz-Schumann (links) und Reinhard Jung (2.v.l.) besuchten jetzt das Studienseminar für Lehrämter an Schulen in Kaan-Marienborn.

Ihre Gesprächspartner waren Studienseminarleiter Dr. Peter Hibst (Mitte) und die Seminarleiter Waltraud Werle (2.v.r.) und Jochen Morbach (r.).
Vor der Fusion der ursprünglich eigenständigen Seminare hatten deren Leiter jeweils einen Stellvertreter, die heutigen Seminarleiter dagegen nicht mehr. "Die frühere Doppelspitze stellte für uns schon eine erhebliche Erleichterung dar", meinte Waltraud Werle, die für den Primarstufenbereich zuständig ist. Die Fachleiterinnen und Fachleiter könne man kaum in die Leitungsarbeit mit einbeziehen, da sie durch ihre Ausbildertätigkeit und den eigenen Unter-richt, den sie - mit ermäßigter Stundenzahl - noch erteilen müssen, voll ausgelastet seien.

Werle berichtete, dass es insbesondere im Primarstufenbereich einen akuten Fachleitermangel gibt. "Dies liegt vor allem daran, dass der finanzielle Anreiz, eine derartige Aufgabe zu übernehmen, mit einer Zulage von nur 75 Euro im Monat sehr gering ist", so Waltraud Werle. In ihrem Bereich fehlen derzeit drei Fachleiter für Mathematik, Englisch und Sachunterricht. Reinhard Jung (MdL) und Helga Schwarz-Schumann (MdL) stimmten ihren Gesprächspartnern zu, dass es notwendig und geboten sei, die Fachleitertätigkeit künftig attraktiver zu gestalten. Dr. Peter Hibst und seine Kollegen forderten zudem eine Dienststellenverlagerung für die Fachleiter: "Vieles wäre leichter zu organisieren, wenn nicht mehr ihre jeweilige Herkunftsschule, sondern das Studienseminar Dienststelle wäre."

Die Schulen der Region hätten sehr positiv darauf reagiert, dass in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe nach einer längeren Unterbrechung seit September 2004 auch wieder Lehramtsanwärter für die Sekundarstufe I ausgebildet werden, berichtete Jochen Morbach, der diesen Bereich leitet, und fügte hinzu: "Man erhofft sich durch die Ausbildung nicht zu-letzt auch qualifizierten Nachwuchs." Bei etwa einem Drittel der Lehramtsanwärter im Sek. I - Bereich handelt es sich um Quereinsteiger, die z.B. Ingenieurwissenschaften oder Architektur studiert haben und in der Ausbildung sogenannte Mangelfächer abdecken. "Nicht alle Quereinsteiger erweisen sich als für den Lehrerberuf geeignet, aber der größte Teil ist durchaus wandlungsfähig." Anfangs habe es auch in seinem Bereich starken Fachleitermangel gegeben. "Inzwischen hat sich die Ausbildung jedoch eingespielt", ergänzte Jochen Morbach.

Der gymnasiale Bereich sei mit Fachleitern relativ gut bestückt, so Seminarleiter Dr. Peter Hibst, der selbst in diesem Zweig als Ausbilder tätig ist. Er sprach von einer ausgewogenen Verteilung der Referendare auf die vorhandenen Gymnasien und Gesamtschulen im Einzugsbereich des Seminars. In der Primarstufe ist es dagegen schwieriger, auch die peripheren Schulstandorte mit Lehramtsanwärtern zu besetzen. "Hier wirkt sich auch aus, dass es seit einiger Zeit keine Fahrtkostenerstattung mehr gibt", unterstrich Waltraud Werle. Für ein Seminar mit großem Einzugsbereich sei dies nicht unproblematisch. Dennoch ist der Seminarstandort Siegen bei den angehenden Lehrerinnen und Lehrern inzwischen stark nachgefragt. So kommen insbesondere im Primarstufen- und im gymnasialen Bereich nahezu alle Bewerber/innen aus der Region selbst sowie aus den Nachbarkreisen in Hessen und Rheinland-Pfalz. "Viele können gar nicht eingestellt werden", so Waltraud Werle und Dr. Peter Hibst. Nur in der Sekundarstufe I überwiegen noch die zugewiesenen Referendare aus anderen Regionen.

Abschließend berichtete Seminarleiter Dr. Peter Hibst, dass das Studienseminar zwar über eine eigene Bücherei verfügt, jedoch nicht über das für eine kontinuierliche Beaufsichtigung erforderliche Personal. Auch sei ein Computerraum vorhanden, aber es fehle eine professionelle Wartung der Geräte. Die SPD-Abgeordneten Helga Schwarz-Schumann und Reinhard Jung kündigten ihre Unterstützung an. Es soll insbesondere geklärt werden, ob es möglich ist, für die Besetzung der Bibliothek etwa einen 1 Euro-Job einzurichten. In Düsseldorf wollen beide SPD-Politiker zudem in Erfahrung bringen, warum die seit Anfang des Jahres gesetzlich verankerte Besoldung aller Seminarleiter nach A 15 bisher auf sich warten lässt. Helga Schwarz-Schumann (MdL): "Für die gleiche Arbeit muss es auch das gleiche Geld geben, ansonsten macht sich Frust unter den Betroffenen breit."