Pressespiegel:
BDB über Zukunft des Bauens / Kammerpräsident fordert dringend steuerliche Anreize
Viel Arbeit für Architekten
Siegener Zeitung vom 15. Januar 2009
win • Ein glühend heißes Eisen fasste am Dienstagabend die Bezirksgruppe1, Olpe des Bundes deutscher Baumeister, -Architekten und Ingenieure (BDB) an, die zu einer Podiumsdiskussion in den kleinen Saal der Olper Stadthalle geladen hatte.„Energieeffizienz und Demografie - neue Herausforderungen an das Bauen in NRW lautete das etwas sperrige Motto des Abends. Daraus entwickelte sich ein Gespräch, das aufdeckte, welche Brisanz sich hinter dem Thema versteckt.Als Referent war der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Dipl.-Ing. Hartmut Miksch aus Düsseldorf, geladen. In einem kurzen Vortrag zeigte er zahlreiche „Baustellen" auf, die der Gesetzgeber, aber auch die gesamte Gesellschaft dringend bearbeiten müsse. Miksch betonte, an den Universitäten werde den Architekten immer noch das weitere Wachsen gelehrt, Dabei müsse heute vielmehr die Notwendigkeit des Schrumpfens vermittelt werden.
Fast 80 Prozent aller deutschen Gebäude, so Miksch, seien vor 1977 entstanden und hätten bei ihrem Bau keinerlei Wärme Schutzverordnungen erfüllen müssen. Hier liege ein gewaltiges Potenzial; 70 Prozent aller Häuser müssten dämmtechnisch saniert werden. Der Energiepass komme unausweichlich und werde dazu beitragen, dass Mieter auf die Dämmung eines Hauses achteten. Die Vermietungschancen hingen künftig davon ab, so Miksch. Dabei gelte es, Schwierigkeiten zu überwinden: Gründerzeithäuser lassen sich nicht einfach dämmen. Da spricht der Denkmalschutz mit. Solche Fassaden schlägt man nicht einfach ab." Allein in Nordrhein-Westfalen liege der Investitionsbedarf bei geschätzten B4.5 Mrd. Euro.
Ein zweiter großer "Brocken" sei die altengerechte Umgestaltung von Bestandswohnraum. Nicht einmal l Prozent der 39 Millionen deutschen Wohnungen sei altengerecht, doch angesichts des demografischen Wandels müssten es 12 bis 13 Millionen sein. Und auch der Neubau von Wohnungen habe Zukunft, verbunden mit dem Abriss von Baubestand. Statistisch gesehen haben wir genug Wohnungen - oft liegen sie aber an falschen Orten oder sind falsch ausgestattet. Ein Trend hinein in die Städte sei klar zu erkennen. "Auf der grünen Wiese brauchen wir nichts mehr zu bauen", so Mikschs provokante These. Stattdessen müssten Brachen in den Städten genutzt werden, um bedarfsgerechten Wohnraum zu schaffen.
Für Architekten gebe es genug zu tun, wenn auch nicht gerade mit neuen Einfamilienhäusern. "Altersgerechtes Bauen ist nicht nur für Alte, sondern auch für Familien gut." Wo ein Rollator durchpasse, könne auch ein Kinderwagen durchgeschoben werden, und ein Aufzug helfe nicht nur dem Rollstuhlfahrer, sondern auch der Mutter mit dem Wocheneinkauf. Hier liege der Investitionsbedarf bei 48,8 Mrd. Euro. Und um das schultern zu können, müsse der Staat handeln. "Wir brauchen eine steuerliche Komponente auf einem anderen Niveau als heute. Der BDB denke an 10 Prozent Abschreibungsvolumen, dann wird auch Geld in die Hand genommen".
Energieeffizienz und Demografie werden das Bauen in den nächsten Jahren bestimmen, es gibt dazu keine Alternativen", schloss der Architektenpräsident seinen Vortrag, den ein hochkarätiges Publikum aus Planern. Architekten und Verwaltungsfachleuten mit Applaus bedachte. Anschließend wurden Mikschs Thesen im Podium energisch diskutiert (siehe gesonderten Bericht.)
Verfallende Häuser, in Olpe sind derzeit in der Region noch die absolute Ausnahme. Der Präsident der Architektenkammer NRW, Hartmut Miksch, ruft die Verantwortlichen auf, dringend für die Zukunft zu planen, um Verhältnisse wie in Mecklenburg-Vorpommern zu verhindern.