Pressespiegel:

Olpe & Umgebung
  • Olpe, 15. Januar 2009
Siegener Zeitung vom 15. Januar 2009

Mecklenburger Verhältnisse verhindern

Engagierte Debatte über die Entwicklung der Dörfer / Kruse: Freiheit statt Geld kann helfen
Vor allem der Olper CDU-Landtagsabgeordnete Theo Kruse rieb sich an Mikschs Forderung, Neubaugebiete in Dörfern faktisch nicht mehr auszuweisen. Weiterhin beteiligten sich SPD-Landtags abgeordneter Reinhard Jung aus Schönau, der Architektenreferent der BDB-Kreisgruppe, Thomas Ehrengruber aus Olpe, und der Baudezernent der Stadt Attendorn, Garsten Graumann aus Gerungen, an der Podiumsdiskussion.
Theo Kruse verbat sich jede Forderung nach weiterer staatlicher Unterstützung: „Wir diskutieren zurzeit vor allem die Haushaltslagen, Wir sollten die ökonomische Krise als Chance begreifen, mehr Freiheit auch im architektonischen Bereich zu wagen." Zuschüsse oder steuerliche Erleichterungen seien der falsche Weg und aufgrund der leeren Kassen auch gar nicht möglich.
Reinhard Jung forderte, das Problem auf andere Weise in den Griff zu bekommen. Hauptaufgabe der Politik müsse es sein, die sogenannten „Bildungsauswanderer'' in der Region zu halten und dafür zu sorgen, dass beispielsweise durch attraktive Arbeitsplätze, aber auch durch ein Aufrechterhalten dörflicher Infrastruktur die Menschen im Kreis Olpe blieben, statt in die Ballungszentren an Rhein und Ruhr oder auch nach Siegen abzuwandern. Thomas Ehrengruber meinte, daiür sei es schon zu spät. Der Sog der Ballungszentren wird immer größer." Zwar habe Jung recht, dass „Facharbeiter hier gehalten und Ingenieure zurückgeholt" werden müssten. aber die Dörfer hätten de facto ja schon den Wegfall der Infrastruktur hinter sich. Gaststätten, Einkaufsmöglichkeiten und Schulen seien oft nicht mehr vorhanden, der öffentliche Personenverkehr ausgedünnt. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass unsere Kleinstädte das nicht auch noch erleben." Graumann erwiderte, die Stadt Attendorn arbeite bereits intensiv an solchen Schritten. Er hielt Miksch entgegen, dass die dörfliche Entwicklung keineswegs am Ende sei. Am Beispiel Ennest verdeutlichte er, dass in der Stadt Attendorn Wohnraum nahe an den Arbeitsplätzen ausgewiesen werde und heiß begehrt sei.
Der Angegriffene wehrte sich: „Ich weiß nicht, ob das im Kreis Olpe schon überall begriffen worden ist, dass es Unsinn ist, neue Wohngebiete für Einfamilienhäuser auszuweisen. Diese Häuser sind in zehn bis 15 Jahren nichts mehr wert."
Kruse widersprach: Der Staat müsse sich auf seine Grundaufgabe besinnen, und die bestehe darin, dem Bürger Freiheiten zu geben. „Wenn ein 20-jähriger auf dem Dorf in die Karpaten bauen will, warum soll man ihn nicht lassen?" Miksch entgegnete; „Gehen Sie mal nach Mecklenburg-Vorpommern in die Dörfer - da sehen Sie, was bei uns in zehn bis 15 Jahren kommt. Da sehen Sie Alte, die unversorgt in den Dörfern sitzen. Die Dörfer veröden - die jungen Leute sind weg. Da muss man doch heute Strategien entwickeln, um damit umzugehen."
Er frage sich, was es mit der von Kruse angeführten "Freiheit" zu tun habe, wenn demnächst jemand in seinem 15 Jahre alten Haus wohnen müsse, weil er es nicht mehr verkaufen könne. Es ist doch ganz einfach. Wenn ich irgendwo neu bauen lasse, ziehe ich die Menschen, die dort einziehen, anderswo ab. Für jedes neue Haus wird ein anderes leer stehen." Ehrengruber ergänzte, schon heute gebe es in den Dörfern auch im Olper Land Leerstände und gleichzeitig Bedarf, ins Zentrum zu ziehen.
In der anschließenden Diskussion ergriff allen voran der Finnentroper Bürgermeister Dietmar Heß das Wort. Er warnte vor "dieser Rigorosität". Was Miksch und Ehrengruber gesagt hätten, grenze an ein „Abwatschen" der ländlichen Region - Die für Finnentrop zuständige Wohnungsgenossenschaft Meschede sei längst dabei, ihre Wohnungen energieefßzient und altengerecht zu sanieren. Und auch Folker Naumann, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Olpe, wies Mikschs Ausführungen zurück; "Was Sie sagen, mag für viele Regionen wichtig sein - hier nicht. Von den 1900 Wohnungen seiner Genossenschaft seien bereits 18 Prozent barrierefrei."
Miksch konterte: "Toll, wenn irgendwo alles in Ordnung ist. Ich glaube es aber nicht. Selbst wenn die Wohnungsgenossenschaften vorbildlich seien, gelte dies nicht für die Mehrheit der Einfamilienhäuser. Christoph Lütticke, Fachbereichsleiter Planen. Bauen, Wohnen der Stadt Drolshagen, war ob Mikschs Prognosen fast außer sich: "Der Kreis Olpe kommt bei Ihnen viel zu schlecht weg. Die Dörfer hier sind unser Leben. Da geht es anders zu als in Mecklenburg-Vorpommern. Die Vereine fangen jeden auf. Das müssen wir fördern, dann geht es auch weiter." Miksch blieb bei seinen Behauptungen und sagte voraus, dass die Zeit ihm recht geben werde.
Das Schlusswort sprach Reinhard Jung. Er lud Miksch zu einer Wochenend-Tour durch den Kreis Olpe ein, um ihm zu zeigen, dass es durchaus Dörfer mit Perspektive gebe. "Aber gleichzeitig gibt es auch bei uns nicht nur heile Welt im Kreis Olpe," BDB-Kreisgruppenvorsitzender Wolfram Schlüter bedankte sich bei den Diskussionsteilnehmern und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Veranstaltung dazu beitragen möge, Denkanstöße zu geben.